Das Ende einer Mietära

Das Jahr 2002 war für mich bzw. für uns schon aufregend. Anfang des Jahres wurden aus CK und mir mehr als nur Freunde und gegen Ende des Jahres haben wir dann zusammen unsere erste Mietswohnung in Dortmund bezogen. Im Vergleich zu vielen anderen Studenten hatten wir es mit unseren 46,4 m² auch ganz gut getroffen. Das Badezimmer war gefühlt so groß wie unser Gästeklo heute, hatte aber immerhin eine Badewanne! Insbesondere der Gasherd war super und wir trauern an manchen Tagen noch immer dem Kochen mit Gas hinterher. Unser Vermieter war OK, im selben Haus hatte er eine Sanitärfirma, so dass Probleme im Wohnbereich auch immer schnell behoben waren. Einrichtungsstil: Graue Versandhausmöbel im Wohnzimmer und Futonbett mit zusammengewürfelten Schränken im Schlafzimmer. Gruselig aus heutiger Sicht betrachtet. Damals aber ganz praktisch.  ;-)

Von Dortmund aus sind wir dann nach Bamberg – oder genauer Strullendorf-Mistendorf *g* – gezogen und haben hier eine sehr schöne Zeit gehabt, ganz viele nette Leute getroffen , nebenbei geheiratet und auf einer fränkischen Burg unsere Hochzeitsfeier gegeben. Der Vermieter: ein Ur-Franke mit dem die Kommunikation nicht immer so einfach war – wir haben ihn manchmal einfach nicht verstanden. (Ab und zu sehen wir ihn noch bei Besuchen unserer Ex-Nachbarn, wir können daher mit guten Gewissen sagen: Es hat sich nichts geändert, wir sprechen noch immer kein fränkisch.) Er hat sich kaum um Angelegenheiten der Wohnungen gekümmert, hatte dafür aber auch nichts dagegen gehabt, wenn man selbst „kreativ“ wurde. Und da die Garagen für den Bulldog gebaut wurden passte hier auch wunderbar unser Jeep samt Dachzelt in die Garage – herrlich. Die Arbeitsbedingungen haben uns dann aber doch dazu gebracht uns nach neuen Firmen umzuschauen. So kam es, dass wir 2008 nach Burscheid gezogen sind und das Unheil seinen Lauf nahm:

Über eine Maklerfirma haben wir eine sehr schöne Maisonettewohnung gefunden – Erstbezug, mit zwei Badezimmern, einem Gäste-WC und zwei Balkone. Ein großer Nachteil war die Nähe zur Autobahn, aber die ist hier in der Gegend ja praktisch überall zu finden und von daher war dies hinnehmbar. Nach einiger Zeit fingen die ersten Probleme bei uns und den anderen beiden Parteien im Haus an. Wir haben es noch als lustig angesehen, dass in beiden Badezimmern die Türen aus Glas bestanden. Für uns beide war das nicht so schlimm und da die Badezimmer jeweils auf der anderen Etage waren, konnte man sich auch mit Gästen gut absprechen. Aber als der Parkettboden begann auseinander zu driften und es immer wieder Probleme mit dem warmen Wasser gab, wurde schnell klar, dass unser Vermieter eher auf „kostengünstig“ Wert gelegt hat und nicht so sehr auf Qualität. Eines Tages – CK war gerade auf Dienstreise – hatte ich einen seltsamen Traum, es hatte in unserer Wohnung geregnet. Am Abend saß ich um ca. 24 Uhr noch vor dem Fernsehr als es an der Tür klingelte. Unser Nachbar fragte, ob bei uns im Bad alles OK wäre, bei ihnen würde nämlich das Wasser von den Wänden tropfen. Kurze Zeit später fing es bei uns dann auch an. – Große Freude! (Um Nachfragen schon mal zuvor zu kommen, leider habe ich noch nie von Lottozahlen geträumt.) Der Gipfel war dann erreicht als das Bauamt vor der Tür stand und sagte, dass wir in einer nicht genehmigten Wohnung wohnen und uns daher schon mal nach einer neuen Wohnung umsehen können. Und so kam es dann auch. Schöne Wohnungen in der Umgebung von Burscheid oder Langenfeld zu finden, war jedoch nicht so einfach und so haben wir dann unserem Vermieter nachgegeben und sind in ein gerade von ihm fertiggestelltes Reiheneckhaus zum Mietpreis unserer Wohnung gezogen. Ein großer Fehler wie sich herausstellte, denn schon nach kurzer Zeit war klar, auch hier war kostengünstig gebaut worden und Absprachen mit unserem Vermieter wurden von seiner Seite nie oder nur mit Druck eingehalten. Dank meiner Schwiegereltern war nach einigen Monaten klar, dass wir uns ein Eigenheim zulegen werden, aber ich möchte zum Abschluss unserer Mietära unseren Frust über Pfusch am Bau nochmal freien Lauf lassen und einige der glanzvollen Spitzen unserer Zeit in Wermelskirchen hier mit euch teilen.

Vorweg jedoch noch ein Hinweis zur Verständlichkeit, wir selbst haben bei unserem Bau auch sehr auf die Kosten geachtet und als Konsequenz viele Sachen einfach selber gemacht. Zum Glück war als Fachmann immer mein Vater mit im Boot und CK hat – neben seiner vielen anderen Interessen und Talente – auch handwerkliches Geschick vererbt bekommen. Dies kann man von unserem Ex-Vermieter leider nicht behaupten. Aber wer nun schon wieder ein 10 Familienhaus gebaut hat, der sollte doch eigentlich dann zumindest die Mittel haben, diese Sachen von einem Fachmann bearbeiten zu lassen.

Neben vielen, vielen weiteren Begebenheiten hier einige Beispiele für völlige Planlosigkeit am Bau:

Obergeschoss:

  • Die Fensterbank wurde sehr gut in die Wand integriert – schade nur, dass man nicht bedacht hat, dass ein Haus sich erst setzen muss. So ist es nicht verwunderlich, wenn schon nach nur einem Jahr ein Riss entsteht.
  • Die Reihenhäuser sind von der Aufteilung der Zimmer identisch bis auf, dass unser Haus spiegelverkehrt ist. Dies wurde aber bei der Anschaffung der Ausstattungsstücke nicht bedacht, so dass der Heizkörper im Bad mit der Vorderseite zur Wand montiert wurde. Einstellungen konnte man daher nur mit einem Spiegel vornehmen, den man an die Wand gehalten hat und da kein Stecker für die Heizung eingeplant wurde, musste kurz noch ein Loch hierfür in die Wand gebohrt werden.
  • Die Duschkabine konnte nicht richtig geschlossen werden. Zum Verdichten wurde einfaches Silikon genommen statt das spezielle für Bäder, so dass diese schon nach kurzer Zeit sch… aussahen und die Ecken wurden beim Verteilen des Silikons gar nicht bedacht, so dass wir drei Stellen hatten, an denen das Wasser regelmäßig aus der Dusche kam. Unter anderem auch im Bereich der Tür, wo die Zagen schon anfingen sich trotz Handtuch gut voll zu saugen und die Fliesen deutlich dunkler wurden. Unser Vermieter kam auch um sich die Sache mal anzuschauen. Seine Idee: „Da machen wir dann noch mehr Silikon drauf.“Der Termin wurde ausgemacht an dem er wieder kommen wollte. Als er nicht erschien haben wir mal angerufen. Über das Zitat lachen wir noch heute: „Herr Kaiser, ich habe Sie nicht vergessen, ich habe nur einfach gar nicht mehr an den Termin gedacht.“ (?) Gekommen ist er natürlich nie.
  • Im Abstellraum, wo der Abfluss für die Waschmaschine war, war noch keine Steckdose – ist ja auch ungewöhnlich, dass eine Waschmaschine mit Strom läuft, oder? Diese haben wir dann aber immerhin noch bekommen.

Mittlere Etage:

  • Besonders lustig: Fertighaus. Geplant: normale Fenster. Unser Vermieter möchte aber mehr Licht und bestellt bodentiefe Elemente. An sich eine super Sache. Man sollte nur bedenken, dass bei mehr Fensterfläche auch größere Rollläden bestellt werden müssten. Oder eben auch nicht, dann bekommt man diese aber auch nicht richtig zu und man muss komischen Müll in die Schienen stopfen, damit die Rollläden nicht aus Selbigen fallen. 
  • Die Art und Weise Fußleisten bei den Fenstern auslaufen zu lassen hat uns ebenfalls in seiner Einfachheit begeistert. Statt an den Stellen eine kleine Ecke herauszufeilen, an denen die Kunststoffwinkelprofile mit den Fußleisten kollidieren, kann man diese doch einfach darüber kleben, schief ist doch modern, oder?
  • In einem Badezimmer mit Fußbodenheizung gehört auch eine Handtuchtrockner. Dumm nur, dass einem das erst einfällt, wenn der Elektriker und der Fliesenleger schon weg ist. Dumm? Nein, man hat doch eine clevere Lösung: eine Aufputz-Kellersteckdose ist doch billig und mittels einer Verteilerdose auch einfach anzuschließen – und wunderschön.

Erdgeschoss:

  • OK, kein Mangel, aber dennoch sehr hässlich: Granitfliesen! Insbesondere bei einer Wohnküche, die dann sehr elegant in einem Laminatboden übergeht. *schüttel*
  • Hatte ich nicht schon mal geschrieben, dass ich euch gerne mal den Werdegang unserer Küche aufzeigen würde. Designed wurde diese ja von unseren Lieblingsschreiner für die Burscheider Wohnung – da wussten wir ja auch noch nicht, dass wir nach einem Jahr wieder ausziehen müssen. In Wermelskirchen wurden dann einige Anpassungen nötig. Und da noch keine Bohrung für die Dunstabzugshaube vorhanden waren, hat unser Vermieter dies kurzer Hand selbst gemacht. Nachdem in der Küche dann ein riesiges Loch entstanden ist, musste dieses ja dann auch wieder zu gemacht werden. Wie macht man das denn fachmännisch? Man nimmt zuerst Feinspachtel (bis dieser alle ist), dann nimmt man Acryl, damit kann man ja auch gleichzeitig die Tapete wieder mit ankleben. Wenn das Acryl alle ist, nicht schlimm, dann nimmt man etwas Silikon, welches man auf die Tapete um die Öffnung schmiert. Die Trocknungszeiten der einzelnen Gebinde? Nicht beachtenswert, muss ja alles am selben Tag noch fertig werden. Streichen macht man dann aber doch am nächsten Tag, ist ja noch alles feucht. ;-) Nächster Tag: Streichen auf Silikon: Für unseren Vermieter eine neue Erkenntnis: Geht nicht! Idee: Vorrat ist ja wieder aufgefüllt, einfach noch etwas Acryl auf das Kunstwerk – Farbe drüber – fertig! Müssig zu erwähnen, dass auch hier eine Trocknungszeit nicht eingehalten werden muss, oder? Das Ergebnis sieht auch heute noch irgendwie lebendig aus. Zum Glück waren diese zwei Tage Arbeit für ihn zu anstrengend, so dass die anderen beiden Häuser keinen Mauerkasten für die Abluft bekommen haben. Unglaublich, denkt ihr jetzt? Kommt noch dazu, dass er bei seinen handwerklichen Meisterleistungen auf unsere gerade im Aufbau befindliche Küche geklettert ist und hier ein Brett kaputt gemacht hat. Das wir dieses dann auch ersetzt haben wollten war für ihn eher unverschämt und zeige ja nur unseren profitgierigen Charakter.
  • Daneben fällt der Herdanschluss unter dem Küchenfenster gar nicht auf. Gut dass unserer Küche kein Standart ist, so konnte der Sockel entsprechend geplant werden und die Leitungen verlängert werden. Wobei so ein Fenster als Spritzfänger hat wahrscheinlich auch nicht jeder.
  • Im Mietpreis enthalten ist auch eine elektrische Markise im Garten und das Haus hat auch einen tollen Schalter um diese vom Wohnzimmer aus zu bedienen. Wenn der Elektriker sagt: „Besorgen Sie eine elektrische Markise.“ kann ja auch nicht jeder wissen, dass die mit Fernbedienung mit einer Fernbedienung gesteuert wird und nicht an das Haus angeschlossen werden kann. Oder hättet ihr das gewusst?
  • Ach und ein Haus benötigt ja auch noch so viel Technik. Heizung, Telefon, Strom … Jeder der sich mit dem Hausbau beschäftigt weiß, dass diesen Platz einzuplanen insbesondere ohne Keller gar nicht so einfach ist. Aber wer bedenkt dann schon, dass wenn man eine andere Heizungsart bestellt als eigentlich geplant ist, der Platzbedarf möglicherweise anders ist? Ist aber auch kein Problem, dann legt man halt einige der Anschlüsse in das angrenzende Gäste-WC und macht dort eine Schiebewand hin. Ist doch nicht so schlimm, oder? Ach ja, der Lichtschalter für das WC ist dann allerdings hinter der Wand. Aber hier kann man doch gut testen, ob man zwischenzeitlich die Fähigkeit entwickelt hat durch Wände zu greifen. Alternative für Muggel: Wand einen Spalt aufstehen lassen. Der Telekommensch hat sich dann aber doch geärgert als er den Telefonanschluss gelegt hat, dazu musste er nämlich auf die Heizung klettern, da ein unnötiger Verteiler unerreichbar hinter der Heizung montiert wurde. Kann doch schon mal passieren.
  • Das Gästebecken hat bei unseren Besuchern immer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Von jeder Seite haben wir mehrfach gehört: „Ihr werdet aber ein größeres Waschbecken bekommen, oder? Bei dem anderen konnte man sich ja gar nicht die Hände waschen.“ Ja, wissen wir. Aber wenn man den Platz nun mal für die Technik braucht, dann muss halt etwas anderes etwas Platz einsparen. Wir können nur jedem Raten, lasst die Finger von kleinen Gästewaschbecken.

Außenbereich:

  • Feierabend. Farbe alle. Plötzlicher Regenguß… wir wissen nicht was der Grund war. Nur, dass der Sockel bei uns nicht fertig gestrichen wurde – bis heute nicht.
  • An der Stelle gab es aber immerhin ein Sockel. An anderen Stellen war der Putz nämlich schon vor unserem Einzug wieder abgefallen. Da unser Einzug im März war war die Antwort unseres Vermieters: „Das können wir jetzt nicht machen, das wird im Sommer gemacht, sonst platzt der Putz sofort wieder weg.“ Ungewöhnlich weitsichtig, werdet ihr jetzt denken. Ja, aber mittlerweile sind schon drei Sommer vergangen und gemacht wurde noch nichts.
  • Wir hatten in Burscheid kein Interesse an Fernsehn. Wir haben uns dann lieber Filme bei Itunes heruntergeladen, als den ganzen Sch… zu gucken, der ausgestrahlt wird. Also der sinnige Gedanke unseres Vermieters, dann spar ich mir hier die Schüssel und den Anschluss. Bei einer Mietswohnung toll – vor allem für die Nachmieter, die dann zwangsweise abstinent leben müssen. Unser Vermieter hat dann aber doch noch nachträglich das Haus verkabeln, ihm ist wohl eingefallen, dass nach uns evtl. andere Mieter kommen. Nicht so schlimm. Hängt jetzt halt ein Kabel vom Dach zum Boden an der Wand und nicht im vorgegebenen Schacht.
  • Und die Fertiggaragen? Genau wie die Gartenfliesen einfach auf den Boden gestellt, ist doch billiger als einen geeigneten, tragfähigen Untergrund herzustellen, oder? Die Risse in der Garage? Wo kommen die den her? Und die Löcher unter den Fliesen? Wo ist denn der Boden geblieben? Komisch!
  • Vielleicht wie bei der schönen Natursteinmauer einfach alles weg geschwämmt? Naja, dann können wenigstens die Mäuse und der Frosch hier gut leben. (Vor allem wenn diese ab und an mal mit Müsli gefüttert werden. Ich bin einfach zu tierlieb…) Liebe Nachmieter, bitte kümmert euch um die Tiere im Garten, die sind echt süß!
Genug der Pleiten, Pech und Pannen? Hatten wir auch, daher haben wir ja jetzt das Eigenheim!

2 Gedanken zu „Das Ende einer Mietära

  1. Sven

    Da muss ich schmunzeln……, ich erinnere mich noch an das Bad in Dortmund.
    Man musste sich erst auf die Toilette setzten, die Beine spreizen um die Tür zu schliessen.

    Die Zeiten sind wohl vorbei!

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    1. Judith Beitragsautor

      *g*

      Ja, dass waren noch Zeiten! Und die schicken blauen Fliesen. Und dann ohne Fenster … da konnte man schon Platzangst kriegen. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir zum Teil auch morgens zusammen im Bad waren. (OK, ging nur wenn der andere gerade duschte ;-))

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